CBAM ist da: Was Exporteure im Kosovo wissen müssen


Die Regeln des globalen Handels ändern sich sehr schnell. Mit der Klimapolitik im Zentrum der wirtschaftlichen Agenda der Europäischen Union entwickelt sich der Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) zu einem entscheidenden Instrument für Exporteure weltweit. Für Unternehmen in den Westbalkanländern, einschließlich Kosovo, bedeutet dies eine neue Ebene an Compliance-Anforderungen, Transparenz und Wettbewerbsdruck.

Ab 2026 betrifft CBAM alle, die CO₂-intensive Waren in die EU exportieren. Dazu zählen auch Produzenten im Kosovo, die bereits jetzt mit Anpassungen beginnen müssen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit auf dem europäischen Markt zu sichern.

Was ist CBAM?

Der Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) ist das zentrale klimapolitische Instrument der Europäischen Union, mit dem die Verlagerung von CO₂-intensiver Produktion in Drittstaaten vermieden werden soll. Er sieht vor, auf ausgewählte Importgüter aus Nicht-EU-Ländern einen CO₂-Preis zu erheben. Das Ziel besteht darin, sicherzustellen, dass importierte Produkte ähnliche CO₂-Kosten tragen wie innerhalb der EU hergestellte Waren, um faire Wettbewerbsbedingungen für EU-Industrien zu gewährleisten, die dem Europäischen Emissionshandelssystem (EU ETS) unterliegen.

Die CBAM-Verordnung (EU) 2023/956 trat im Mai 2023 in Kraft und sieht eine zweijährige Übergangsphase vor. Seit dem 1. Oktober 2023 sind Importeure bestimmter Waren verpflichtet, vierteljährlich Berichte über den CO₂-Fußabdruck ihrer Produkte einzureichen, allerdings noch ohne finanzielle Verpflichtungen. Ab dem 1. Januar 2026 dürfen nur noch autorisierte CBAM-Anmelder betroffene Waren importieren und müssen CBAM-Zertifikate erwerben und einlösen, die den in den Produkten enthaltenen Emissionen entsprechen.

Anwendungsbereich des EU-CBAM

In der ersten Phase umfasst CBAM die CO₂-intensivsten Produkte: Eisen und Stahl, Zement, Düngemittel, Aluminium, Wasserstoff und Strom. Bei Zement und Düngemitteln werden zudem indirekte Emissionen (Scope 2) aus dem Einsatz von Strom, Dampf und Wärme berücksichtigt. Dies spiegelt den Ansatz der EU wider, Emissionen in besonders emissionsintensiven Sektoren umfassender zu erfassen. Jeder Import dieser Waren mit einem Wert von mehr als 150 EUR in die EU unterliegt der Verpflichtung zum Erwerb von CBAM-Zertifikaten entsprechend den enthaltenen CO₂-Emissionen. Für Exporteure im Kosovo bedeutet es, dass nur Lieferungen in die EU betroffen sind. Für Waren, die unter die genannten Kategorien fallen, entstehen ab 2026 jedoch neue Compliance- und Kostenanforderungen.

Wie wird sich CBAM auf Kosovo auswirken?

Der Carbon Border Adjustment Mechanism der EU wird die Handelsbeziehungen in den Westbalkanländern maßgeblich verändern, doch die unmittelbare Betroffenheit Kosovos ist zunächst begrenzt. Im Jahr 2021 machten potenziell CBAM-pflichtige Waren lediglich rund 1 % des Bruttoinlandsprodukts Kosovos aus. Dies spiegelt den vergleichsweisen geringen Exportanteil des Landes in CO₂-intensiven Sektoren wider.

Langfristig stellt sich die Situation jedoch deutlich anspruchsvoller dar. Laut einer Studie des German Economic Team könnte die kumulierte finanzielle Belastung durch CBAM für Kosovo bis 2034 rund 93 Mio. EUR erreichen.

Am stärksten betroffen dürften die Sektoren Eisen und Stahl, Aluminium sowie Strom sein. Im März 2025 machten unedle Metalle und daraus hergestellte Waren 23,6 % der Gesamtexporte Kosovos aus, während mineralische Produkte einen Anteil von 5,7 % hatten. Diese bereits bedeutenden Exportkategorien werden mit der schrittweisen Ausweitung von CBAM zunehmenden Compliance-Anforderungen und Kostenbelastungen ausgesetzt sein. Während die CBAM-Zahlungen im verarbeitenden Gewerbe auf etwa 36 Mio. EUR3 geschätzt werden, könnten sich die Kosten für Stromexporte auf rund 57 Mio. EUR belaufen. Hintergrund ist die lignitbasierte Stromerzeugung Kosovos mit einer prognostizierten Emissionsintensität von 0,94 t CO₂/MWh, nahezu doppelt so hoch wie der EU-Referenzwert. Dies würde kosovarische Stromexporte auf dem EU-Markt deutlich weniger wettbewerbsfähig machen.

Für exportierende Unternehmen, die nur über begrenzte personelle und finanzielle Ressourcen verfügen, kann die Berichterstattung unter der neuen CBAM-Verordnung zunächst komplex und aufwendig erscheinen. Es gibt jedoch mehrere praktische Schritte, mit denen Unternehmen ihre Vorbereitung schrittweise verbessern und ihre Compliance-Prozesse effizienter gestalten können:

  1. CBAM-relevante Waren identifizieren: Prüfen Sie anhand der Kombinierten Nomenklatur (CN-Codes), ob Ihre Produkte unter CBAM fallen.
  2. CO₂-Fußabdruck verstehen: Erfassen Sie die in Ihren Produkten enthaltenen Treibhausgasemissionen. Auch wenn Exporteure die CBAM-Zertifikate nicht direkt bezahlen, kann eine hohe Emissionsintensität die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber EU-Produkten erheblich beeinträchtigen.
  3. Berichtsprozesse verbessern: Ab 2026 müssen Exporteure bis zum 31. Mai einen geprüften Jahresbericht für das Vorjahr vorlegen. Die Emissionsdaten müssen durch eine unabhängige, akkreditierte Stelle (CBAM-Verifier) verifiziert werden. Die Daten müssen nachvollziehbar, prüfbar und EU-konform sein, um den Marktzugang zu sichern und die Anwendung ungünstiger Standardwerte zu vermeiden. Die von der EU empfohlene Kommunikationsvorlage kann hier eingesehen werden.

Lokale Herausforderungen bei der Umsetzung

Kosovarische Exporteure stehen vor mehreren strukturellen und operativen Herausforderungen, die eine CBAM-konforme Umsetzung erschweren können, wenn sie nicht rechtzeitig adressiert, werden:

Fehlende Systeme zur Emissionsmessung: Viele Unternehmen verfügen derzeit über keine standardisierten Methoden zur Erfassung produktbezogener CO₂-Emissionen.

Begrenzter Zugang zu akkreditierten Verifizierungsstellen: Die unabhängige Verifizierung ist unter CBAM verpflichtend, jedoch sind derzeit keine entsprechenden Anbieter in der Region bekannt. Zwar ist mit einer schrittweisen Etablierung solcher Dienstleistungen zu rechnen, diese dürften jedoch kostenintensiv sein und insbesondere für kleinere Exporteure eine zusätzliche Belastung darstellen.

Bedarf an spezialisierter Schulung: Exporteure, Wirtschaftsverbände und öffentliche Stellen benötigen gezielten Kapazitätsaufbau, um die EU-Vorgaben korrekt zu interpretieren und belastbare Berichtssysteme umzusetzen.

Durch eine frühzeitige Auseinandersetzung mit diesen Herausforderungen können Unternehmen ihre operative Bereitschaft stärken, das Risiko von Nicht-Compliance reduzieren und einen reibungsloseren sowie planbareren Zugang zum EU-Markt sicherstellen. Der Aufbau interner Expertise und robuster Berichtssysteme trägt dazu bei, die Wettbewerbsfähigkeit auch bei vollständiger Umsetzung von CBAM zu erhalten.

Die Notwendigkeit einer koordinierten nationalen Antwort

Die Vorbereitung auf CBAM kann nicht allein von einzelnen Exporteuren geleistet werden. Auch wenn die formalen rechtlichen Verpflichtungen im Rahmen von CBAM bei den EU-Importeuren liegen, werden die wirtschaftlichen und operativen Auswirkungen in erster Linie von den Unternehmen im Kosovo getragen. Daher ist ein koordinierter nationaler Ansatz erforderlich, der öffentliche Institutionen, Regulierungsbehörden, Wirtschaftsverbände und Entwicklungspartner einbindet.

Klare Leitlinien, eine einheitliche Auslegung der CBAM-Vorschriften sowie strukturierte Mechanismen für Informationsaustausch sind entscheidend, damit sich Exporteure kosten-effizient und planbar vorbereiten können. Ohne Koordination besteht die Gefahr, dass administrative Komplexität und Compliance-Kosten insbesondere kleinere Unternehmen unverhältnismäßig belasten und ihre Wettbewerbsfähigkeit auf dem EU-Markt einschränken.

Gleichzeitig muss Kosovo dringend seine Kapazitäten im Bereich Emissionsmessung, Berichterstattung und Verifizierung stärken. Der eingeschränkte Zugang zu standardisierten CO₂-Bilanzierungsinstrumenten und akkreditierten Verifizierungsdiensten stellt ein erhebliches Risiko für Exporteure dar. Institutionen sollten daher den Zugang zu Verifizierungsleistungen erleichtern, gezielte Schulungen und technische Unterstützung fördern und die CBAM-Vorbereitung aktiv mit umfassenderen Programmen zur Energiewende, Dekarbonisierung und Investitionsförderung verknüpfen.

Wird CBAM strategisch angegangen, sollte es nicht ausschließlich als Compliance-Belastung verstanden werden. Vielmehr kann der Mechanismus als Katalysator dienen, um die industrielle Basis Kosovos zu modernisieren, die Energieeffizienz zu verbessern, grüne und klimakompatible Investitionen insbesondere aus der EU anzuziehen und den langfristigen Zugang zu europäischen Märkten zu sichern, da klimabezogene Handelsmaßnahmen zunehmend fester Bestandteil des globalen Handels werden.

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